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Wie das „H“ ins „eil“ kam – Die vergnügliche Phonetik Deutscher Grußformeln

Der Klang hat sich verändert, meine ich wahr zu nehmen. Vielleicht aber bin ich auch mit den Jahren einfach sensibler geworden, wenn es um sprachliche Nuancen geht.

Freudiger klingt es, fröhlicher sind sie geworden: Deutsche Grußformeln sind vergnüglich, seriös wenn es sein muss, heiter und ungezwungen wenn es passt.

Ein „Hallöchen mit Öchen“ zum Geschäftsessen kann nur der sagen, der eine selbstbewusste Heiterkeit an den Tag legt die durch und durch echt ist. Versuch es erst gar nicht, wenn du nicht wirklich gut drauf bist. Es gibt andere, wesentlich bessere, aus der reichhaltigen Auswahl deutscher Grußformeln, aus denen du in solchen Momenten schöpfen kannst.

Moin – Weniger ist mehr im Norden Deutschlands

Wo du dich aufhältst in diesem Land spielt eine entscheidende Rolle wie du begrüßt (wirst). Deutsches Lokalkolorit: Oben im Norden klingt eine Begrüßung deutlich anders als im Süden. „Moin“ geht zwischen Nord- und Ostsee immer, sei es früh am Morgen, Mittags oder zum späten Abend.

Aus dem Plattdeutschen soll er kommen, dieser unverkennbare Gruß, abgeleitet vom kleinen Wörtchen „moi“, was so viel heißt wie angenehm und gut und schön. Sehr freundlich – kannst du also immer sagen.

Auch in der norwegischen Sprache ist diese Grußformel geläufig. Mit „morn“ kannst du dort zu jeder Zeit grüßen. Es ist ein sprachliches Erbe der Hansezeit, als Plattdeutsch die „lingua franca“ der nördlichen Welt zwischen Großbritannien und Russland war.

Sagst du 2 x Moin, also „moin moin“ giltst du schon als redegewandt. Aber aufgepasst, das kann auch schon mal als Geschwätz aufgefasst werden. Rau der Wind und flach das Land – wortkarg kann auch eine Tugend sein.

Im Süden Deutschlands gibt es den Segen als Gruß

Runter geht es nach Süddeutschland. Die starke katholische Prägung in Bayern und Franken ist der Grund, warum einem dort Segensformeln entgegengeschmettert werden. Besonders charakteristisch ist das herzliche „Griaß God“.

Das verlangt ein ungewöhnlich breites Auseinanderziehen des gesamten Mundes, bei gleichzeitigem Geschlossenhalten beider Zahnreihen. Nein, das ist nicht einfach und bis das richtig sitzt und du als echter Bajuware durchgehst, heißt es üben und nochmals üben. „Grüße dich Gott“ ist der altdeutsche Ursprung dieses Zungenbrechers.

Etwas weniger anspruchsvoll ist das freundliche „Servus“. Nimm das, wenn du Duz-Freunde und Bekannte begrüßt. Richtig ausgesprochen wird diese traditionelle Grußform „Seawas“.

Willst du hingegen besonders höflich auftreten, empfiehlt sich das bairische „Habedere“, das ist die Kurzform von „Ich habe die Ehre“. Bayrische Mundart – Genuschelt klingt’s am Besten.


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Und plötzlich ist da dieses „Heil!“ – diese scheue Schönheit im Arsenal der deutschen Grußformeln. Grazil ist sie wie eine Wiesenblume und wärmend wie die frühen Strahlen der Morgensonne. Wer „Heil“ als Gruß empfängt erhält die allerbesten Wünsche.

Das „Heil“ ist von universaler Transzendenz

Diese Grußformel steht für Begnadigung und Erfolg, für Ganzheit und Gesundheit, für Erlösung und Unversehrtheit. Heil ist allumfassend und übersinnlich und in so vielen deutschen Worten zu finden, dass einem schwindelig werden könnte.

Es ist das „Königsheil“, welches die Germanen ihre Schlachten gewinnen ließ. Es ist das „Heilsversprechen“ das dich im Christentum von der Sünde befreit. Und es ist der „Heiland“, der als Erlöser und Erretter dem Menschen erscheint.

Wir sagen, wir machen etwas heil und bezeugen damit die universale Bedeutung dieses Wortes. Es steckt in „heilsam“ und in „Heiler“, in „Heilkraut“ und in „Heilpraxis“. Es ist ein wahrlich großes Wort.

Das „Heil“ kommt aus dem keltisch-germanischen Kulturkreis und findet sich als Grußformel in verschiedensten Abhandlungen wider. Das englische „Hail!“ beispielsweise oder die Verwendung in Snorri Sturlusons Geschichten um die Götter Walhalls.

Seine berühmte und geheimnisumwobene EDDA aus dem 13. Jahrhundert verwendet selbstverständlich das übernatürliche „Heil“ in ihren Versen:

Heil sér þú ok í hugum góðum. Þórr þik þiggi. Oðinn þik eigi.

Gesund seist du und guten Sinnes. Möge Thor dich annehmen. Möge Odin dich zu eigen machen.“ – So lautet die Versübersetzung aus der altisländischen Götter- und Heldensage.

Die Heimat des „Heil“ und seine Verwendung findest du auch heute noch in den ursprünglichen Bergregionen Deutschlands, Österreichs und Italiens.

Das Westgermanischegrotjan“ ist Ursprung des Wortes „Grüßen“, Es bedeutet so viel wie zum Reden bringen oder sprechend machen. Durch Gesten beim Grüßen kann zusätzlich die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppe demonstriert werden.

Deutsche Grußformeln sind Multitalente, denn ihre Bandbreite reicht vom saloppen Jargon über die gesitteten Anrede, bis zum schneidigen Ausruf. Dazwischen geht es tiefgründig vor, wie beim „Gott zum Gruße“ und geradlinig wie ein klassisches „Guten Tag“.

Gut und gerne 50 verschiedene deutsche Grußformeln stehen bereit und warten nur darauf von dir verwendet zu werden.

Darunter sind so herrlich Skurrile, wie das „Petri Heil!“, dass du den Fischern und Anglern wünschst, auf das sie einen großen Fangerfolg haben oder das „Waidmanns Heil!“ das den Erfolg von Jägern begünstigen soll.

Deutschland – Nicht nur ist dieses Land bunt und vielfältig in seinen Trachten und in seiner Esskultur, auch den Menschen mit ihrer Sprache ist es immer wieder ein Genuss zuzuhören.

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