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Was Deutsche erfolgreich macht(e). Teil 6: Haltung in Würde

Manchmal schlägt das Schicksal kräftig zu: Dein Schiff auf dem weiten Ozean deines Lebens rollt durch tiefe Wellentäler und finstere Sturmwolken fegen über dich und die aufgewühlte See hinweg. Ein Orkan braust mit aller Macht und zerrt an den Segeln, dass sie zu zerreisen drohen.

So nah an den Klippen geschieht all das, dass einem jeden Angst und Bange wird. Deinem Steuermann bellst du nur noch ein paar Anweisungen entgegen und jetzt, in den dunkelsten Momenten, stellt sich die eine entscheidende Frage: Bist du noch der Kapitän deines Lebens?

Bist du noch der Kapitän deines Lebens?

Stehst du noch breitbeinig und aufrecht, schiebst du dein Kinn entschlossen vor, die Brust breit heraus; selbstbewusst stehst du, fest die Reling umklammernd, auf den überspülten, schwankenden Planken deines Schiffes.

Trotzt du dem Ungemach?

Manch einer würde sich lieber verkriechen – in Krisensituationen verständlich, in ihnen geschehen die ganz persönliche Dramen: Verlust, Tod, Trennung, Abschied, Ende – Das Leben hält viele Stürme parat, mögen es wenige sein, doch aussuchen kannst du es dir nie.

Woher du jetzt noch die Kraft für eine aufrechte Haltung findest ist gleichgültig. Manch einer sucht sie in der Religion – und findet sie im Psalm 23:

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.

Hoffnungsvolle Worte. Du wirst ohne Furcht durch das dunkle Tal geführt, was eine durchaus stärkende Vorstellung sein kann.

Eventuell hat ein anderer im Leben aber auch schon früh gelernt:

Und wenn dich auch das Schicksal auf allen Linien schlägt, bleibt immer noch die Haltung mit der man es erträgt!

In diesem Zitat erkennst du worum es bei Haltung geht: Deine Lebenstüchtigkeit zeigt sich im Sturm: Warst du bisher nur als Leichtmatrose unterwegs oder bist du der gestandene Nautiker?

Der vergiftete Ruf nach „Haltung“

Es wird viel geredet über Haltung, ja, es wird regelrecht über sie geschwafelt, philosophiert und wild drauf los fabuliert.

Haltung haben, Stellung beziehen“ – Nicht zu überhören ist das Mantra aus Medien- und Politkreisen, und es soll doch bitte die richtige, die wirkliche, die echte, die moralisch einwandfreie und unbefleckte „Haltung“ sein – gegen Kritiker, Andersdenkende und Eigensinnige.

Merkwürdig eigentlich, denn wofür braucht der Einzelne in der Gruppe ein besonderes Maß an Haltung, wenn sie ohnehin die Mehrheit stellen? Paradox: Alleine schüchtern – in der Gruppe stark -, das Phänomen der Gruppendynamik nimmt unter ideologischem Druck anscheinend verstärkt widersprüchliche Formen an.

Das Gegenteil ist wesentlich stringeter: Haltung und Rückgrat brauchst du, wenn du in der Minderheit bist, wenn du gegen den Strom schwimmst, wenn du deinen Meinung gegen die Mehrheit verteidigen musst. Denn der Sturm, der manches mal auch in einem Shitstorm enden kann und dir dann mitten ins Gesicht bläst, ist „unus adversus omnia“, „Einer gegen alle“ und verlangt Nehmer- bzw. Steherqualitäten.

Aufrecht, stolz, würdevoll – Ein gesenkter Kopf und hängende Schultern ist zwar auch Haltung, nur ist das keine, die dich durch den Sturm trägt, es sei denn, du gefällst dir in der Rolle des Opfers … Soll’s ja auch geben …

Mit Haltung ist Kraft gemeint für die unangenehmen Lebensrealitäten, für die unausweichlichen Schicksalsmomenten deines Daseins. Die warten unweigerlich auf einen jeden und ein starkes Selbstbild hilft dir solche Krisensituationen zu überstehen.


Erfolg und Deutsche Tugenden – aktuell wie eh und je:

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Haltung aus psychologischer Sicht

Selbstverständlich widmet sich auch die Psychologie dem spannenden Thema „Haltung“.

Du als Mensch wächst an den Krisen – oder besser gesagt an der erfolgreichen Bewältigung derselben. Eine klare Sache soweit. Resilienz ist die Eigenschaft nach einer krisenhaften Einwirkung zumindest in deinen seelischen Ursprungszustand zurückzukehren.

Und du kannst sogar noch mehr erwarten, wenn du Krisen meisterst: Du kannst dich nicht nur von schicksalhaften Missständen erholen, sondern nach einer gewissen Zeit ein höheres Level an geistig-seelischer Reife erreichen!

Schon darüber bescheid zu wissen kann dir helfen Haltung zu bewahren und sie zu verbessern! Erstens weißt du, dass Krisen, so finster sie auch sein mögen, vorbeiziehen. Zweitens erkennst du ihren Nutzen darin, dass, wenn du sie erfolgreich bewältigt hast, gestärkt aus ihnen heraustrittst.

Die Redewendung …

Was uns nicht umbringt macht uns stark.

… stammt vom Deutschen Philologen Friedrich Nietzsche (1844-1900).

Ihr liegt die Annahme zu Grunde, dass negative Erfahrungen die generelle Belastbarkeit dauerhaft erhöht. Das erfolgreiche Überwinden von Niederlagen fördert die Lebenszufriedenheit – sofern das Leben mit den Niederlagen aktiv gestaltet wird.

Ein Freibrief für einen ungesunden, passiven Lebensstil, der nur demutsvoll hinnimmt, ist es also nicht.

Aufrechte Haltung beginnt im Kopf

Meiner Meinung nach setzt ein würdevolle Haltung eine Sicht auf das Leben voraus, die nicht von überhöhter Erwartung geprägt ist. Dankbarkeit ist die Eigenschaft der Freude über die kleinen Dinge im Leben, die gleichzeitig Spielraum nach oben lässt.

Mut ist die Gabe Dinge anzugehen die vielerlei Widerstände erzeugen, sei es in einem wenig förderlichen gesellschaftlichen Umfeld, wie es manchmal bei Freundschaften oder in der Familie sein kann, wenn Ansichten und Vorstellungen eher behindern als unterstützen, oder wenn es um Vorhaben geht, die im Gegensatz zu einer engen gesellschaftlichen Norm stehen.

Ehrgeiz ist es, der dich aus der Komfortzone holt und dich nicht mit weniger zufrieden sein lässt, als das, was dir zu 100% zu leisten möglich ist. Stolz lässt dich wieder aufstehen, wenn es schiefgelaufen ist und die Disziplin lässt dich deine Vorhaben trotz allem beharrlich weiterverfolgen.

Ziemlich viele Kompetenzen, die in einem Leben entwickelt werden wollen, aber niemand setzt voraus, dass jemand so auf die Welt kommt. Das Segeln auf dem Ozean des Lebens hält nicht nur Unwetter parat, sondern lädt auch zum Entdecken, Ausprobieren und Verweilen ein. Und wer weiß schon, vielleicht gibt’s am Ende tatsächlich noch ein Kapitänspatent.

Auf das der Sturm sich legt

Unter dem strahlend blauen Himmel treibt dein Schiff beschädigt aber nicht führerlos auf der ruhigen See. Mild ist die Brise die sich in seinen Segeln verfängt. Du hast die Schäden des letzten Sturms begutachtet und befunden, dass du noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen bist (ein typisch Deutsches Idiom).

Es hat lange gedauert, bis das Unwetter abgezogen ist, aber du hast dich der Verantwortung gestellt. Kein „Mann über Board“ – Sehr gut!

Und jetzt heißt es wieder Haltung einnehmen: Kopf hoch, Kinn nach vorne aufstehen, Mütze richten, weitersegeln.

Ab geht’s!

Mehr Deutsches Seemannsgarn (mit Melf Jacobs)


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