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Was Deutsche erfolgreich macht(e). Teil 5: Der Fleiß

Fleiß ist ein Alleskönner. Ja, er ist ein richtiges Multitalent und weil so viel dazugehört fleißig zu sein, ist er auch ein deftiger Eintopf ein wildes Durcheinander, eine ganz wundersame Melange – und sollte ich noch was vergessen haben, dann sei doch bitte mal so fleißig und dichte dir einfach selbst noch was hinzu!

Fleiß bringt dir viel, Hauptsache ist, du setzt ihn für deine Interessen ein – lass dich also nicht ausbeuten.

Ist Fleiß eine Tugend?

Nein, ist er nicht: Fleiß ist eine Eigenschaft. Fleiß formt sich aus vielen Ingredienzien, die, so wie Zahnräder, geschmeidig ineinandergreifen und mit der dir der Erfolg, in einer steten, runden Vorwärtsbewegung, sicher ist.

Trotz all seiner Qualitäten: Bei manchen Menschen steht der „Fleiß“ nicht allzu hoch im Kurs. Er gilt als zu bürgerlich und zu beflissentlich – die finstere, elendige Vorstellung ist von dem Bild des „duckmäuserischen Arbeiters“ geprägt.

Wundert es dich, dass das Wort Fleiß aus dem Germanischen kommt – nein oder? Es bedeutet es so viel wie Kampfeseifer oder Streit. Bis in die Gegenwart hinein wird mit diesem Wort die Leistungsbereitschaft im zivilen Leben gemessen.

Und hier liegt das immense Missbrauchspotenzial der produktivsten aller menschlichen Eigenschaften: Im Kapitalismus, zu dem Deutschland ein besonders inniges Verhältnis hat, wurden unendlich viele große und kleine Ziele definiert um dich stets fleißig darauf hinarbeiten zu lassen.

Sie sind ausschließlich materialistischer Art: „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“, die klassische Metapher eines zweifelhaften, rein von Besitz geprägten Lebens. Das verspricht dir viel – allen voran gesellschaftliches Ansehen – hält jedoch wenig. Das gute, alte „Hamsterrad“ ist eine andere, durchaus passende Metapher für diese Art Leben.

Sei lieber vorsichtig mit deinem Fleiß und schau, wem er am meisten nutzt.

Um das Geheimnis des Fleißes zu ergründen, musst du deine Aufmerksamkeit zunächst auf Sekundärtugenden richten.

Diese Eigenschaften machen dich automatisch fleißig:

  • … Leidenschaft – ohne sie läuft gar nichts. Du musst eine Aufgabe gerne verrichten, damit hast du schon die halbe Miete. Am Besten glühst du geradezu für diese Aufgabe und das passiert, wenn du auf ein Ziel hinarbeitest. Das musst du klar vor Augen haben.

  • … Zielstrebigkeit – sie hat viel mit Belohnung zu tun. Du freust dich auf das Erreichen deines Ziel, denn es gibt dir das Gefühl es geschafft zu haben. Hast du es geschafft, wird deine Brust breiter, deine Haltung straffer, dein ganzer Körper richtet sich auf, du wirkst, als ob du mehrere Zentimeter über dem Boden schwebst. Stolz erfüllt dich – zu Recht!

  • … Disziplin – die packt dich beim Schopfe wenn du merkst, dass selbst leidenschaftlich ausgeführte Tätigkeiten irgendwann monoton werden. Dir ist klar: Jeden Tag Weihnachten oder jeden Tag feierliche Deutsche Reichsgründung (1871) gibt es nicht.

    Streckenweise besteht auch ein erfülltes Leben einfach nur aus Alltagsroutine. Dann erfreust du dich, als intelligenter, strebsamer Mensch, an den kleinen, interessanten Abweichungen im täglichen Einerlei.

  • … Beharrlichkeit – hat zahlreiche Namen: Ausdauer, Langmut, Standhaftigkeit. Mit „Geduld und Spucke“, wie es so schön im Deutschen heißt, krempelst du jeden Tag die Ärmel hoch, spuckst in die Hände, für den festen, zupackenden Griff und schnappst dir – bildlich gesprochen – die nächste Schaufel. Los geht’s, jeden Tag auf’s Neue!

Fleiß ist Deutsch!

Deutscher Fleiß“ ist nicht nur die Bezeichnung einer alten, wohlschmeckenden, aus unseren heimischen Gefilden stammenden Stabtomatensorte (ja wirklich!), nein: Deutscher Fleiß ist tatsächlich eine legendäre, der hiesigen Bevölkerung zugeschriebene Eigenschaft.

Die Bürger dieses Landes galten international als besonders fleißig.

Wie kam es dazu, dass Deutschland so fleißig wurde?

Ordentlich und höflich waren die Deutschen ja schon immer, aber so richtig strebsam wurden sie erst um das Jahr 1800 herum. Es war der Beginn der Industriellen Revolution und Immanuel Kant (1724-1804), der berühmte Deutsche Philosoph der Aufklärung, lobte die Deutschen mit den Worten: „Fleiß, Reinlichkeit und Sparsamkeit“.

Im selben Jahr ungefähr, so um 1800, sollte der Erziehungsauftrag nicht mehr bloß die Bewertung der Leistung der Schüler beinhalten, sondern gleichzeitig wurde die Förderung der Kinder und Jugendlichen hin zur Leistungssteigerung beschlossen. Mentales Doping sozusagen.

In Deutschland fiel eine solche Maßnahmen auf fruchtbaren Boden: Ein besserer Mensch werden, durch Leistung, herrje …, das klang wirklich zu schön um wahr zu sein und so stürzten sich viele Deutsche in die Arbeit wie emsige Bienen.


Erfolg und Deutsche Tugenden – aktuell wie eh und je:

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Wirklich bessere Menschen sind unsere Deutschen Vorfahren durch Fleiß letztendlich aber nicht geworden. Dem Land Deutschland hingegen haben diese vielen strebsamen Menschen den Wandel hin zu einer starken Wirtschaftsnation geebnet.

So stark und nachahmenswert, dass sich Wettbewerb und Leistungsstreben in der gesamten westlichen Welt etablierten.

Nun klingt das sicherlich ein bisschen abwertend, gerade so, als wenn du nur gehorsam funktionieren und folgen würdest, wenn du Fleiß an den Tag legst. Dieser Gedanke orientiert sich fälschlicherweise an der Erwerbsarbeit. Du kannst fleißig sein in jeder Tätigkeit – und das solltest du auch sein, denn nichts lohnt sich mehr, als sich für seine Ziele und Interessen einzusetzen.

Was du dabei für Kröten schluckst ist deine Sache: Der eine toleriert noch gerade den Druck, der mit einem steten Wettbewerb einhergeht, während der Andere sich dem nicht so leicht beugt und Wege aus dem sich in ihm anbahnenden Inngrimm sucht.

Wie auch immer: Sich kritisch mit Fleiß auseinanderzusetzen ist unabdingbar, denn, …

Mit Erwerbsarbeit zum Fleiß genötigt

… wo Licht ist, ist auch Schatten und nicht jeder der fleißig ist, ist es auch freiwillig: Strukturelle Gewalt zwingt viele Menschen in Arbeiten, die weit entfernt sind von Selbstverwirklichung und freier Entfaltung.

Wer zum Ende des Monats die Miete zahlt und auch anderweitig zusehen muss über die Runden zu kommen, ist permanentem Leistungsdruck und Drangsal ausgesetzt. Zu betrachten ist dieses Malochertum daher eher kritisch und die Lösung findet sich in den gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen, ergo: In der Politik.

„Zum Fleiß genötigt“, beschreibt das Dilemma der öden Erwerbsarbeit vielleicht am ehesten.

Strukturelle Gewalt – ein von Johan Galtung (1930) geprägter Begriff, den du als „soziale Ungerechtigkeit“ verstehen kannst. Es ist die ungerechte und ungleiche Verteilung von Chancen und Ressourcen.

Doch kehren wir noch einmal zur Sonnenseite des Fleißes zurück: Der kollektive Fleiß eines starken Volkes kann eine Nationen zu wahrem Glanz und beeindruckendem Ansehen führen.

Deutschland und seine Bürger haben es bewiesen, in ihrer, für immer unauslöschlichen Historie.

Leidenschaft, Disziplin, Beharrlichkeit – begehrte Tugenden, auf die auch heute noch Unternehmen allergrößten Wert legen. Diese Tugenden sind es, die schon für den Einzelnen ein großer Gewinn sind, aber erst im Kollektiv ihre ganze Wirkung entfalten.

Musik die im Volk entsteht: Die populäre Musik



 
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