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Was Deutsche erfolgreich macht(e). Teil 3: Die Ordentlichkeit

Sie gilt als typisch Deutsch und hat allein dadurch schon mal keinen leichten Stand, dabei gäb’s ohne sie weder Verlässlichkeit noch Vertrauenswürdigkeit, und Deutschland wäre nicht für seine Präzision und Akkuratesse bekannt.

Die Frage, ob du den Abwasch noch heute machst oder ob du ihn bis morgen früh stehen lässt, ist zwar nicht existenziell, aber dazu raten würde ich dir schon. WARUM? Weil dir der Anblick des Abwaschs am nächsten Morgen die Laune verdirbt und weil du garantiert besser schlafen kannst, wenn du nicht im Hinterkopf diese drängende und bohrende Stimme vernimmst, die dir sagt, dass da noch etwas in deiner Küchenspüle wartet, das unerledigt ist.

Es ist diese gesunde Mischung aus Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl, – mit einer Prise Disziplin, die dich dazu bringt diese, zugegebenermaßen, nicht gerade beliebte Hausarbeit zu leisten. Ihr Oberbegriff lautet- wenig spektakulär: Ordentlichkeit.

Das Wort Ordnung stammt vom Althochdeutschen Wort „ordinunga“. Es ist seit der Zeit um ca. 1000 belegt und steht für Anordnung, Regel und Vorschrift. Gehst du noch weiter zurück, findest du den Ursprung des Wortes bei den Griechen, wo es in der Fachsprache der Weber bedeutete: „Aus verschiedenen Fäden durch kunstgerechte Verknüpfung ein Gewebe anlegen“.

Sie ist eine Sekundärtugend, eine „bürgerliche Tugend“, eine die hauptsächlich auf Alltagsbewältigung ausgerichtet ist. Sie zählt einerseits zu den TOP-Eigenschaften die Deutschland wirklich herausragend machte und gleichzeitig wird sie als besonder spießig angesehen.

Du hast recht, wenn du meinst das wäre paradox.

Der Nutzen von Ordnung ist nicht jedem ersichtlich

Ordentlichkeit ist eine Leistung und das ist Teil der Erklärung, warum Menschen so widersprüchlich mit ihr umgehen.

Ordnung verlangt, dass du deine innere Trägheit überwindest, dich aufraffst und dich zuständig fühlst für das, was du ordentlich halten möchtest – immer wieder aufs Neue. Sie fällt jenen leicht, die die zahlreichen Nutzen von Strukturierung erkannt haben und jenen schwer, denen es an Antrieb fehlt.

Sie lassen sich Ausreden einfallen, die z.B. lauten: „Zu wenig Zeit“, „zu viel Stress …“, „Ich hab’ Rücken …“.

Wieder andere erheben ihre Bequemlichkeit selbst in den diffusen Stand einer Tugendhaftigkeit. Da heißt es dann: „Ich relaxe …“, „Ich entspanne …“ oder „… easy going …“ . Dabei ist die Aussage, das wäre Teil eines modernen Lebensstils zumeist nur Ausrede, um die eigene Trägheit und Antriebslosigkeit zu verstecken.


»3 gute Gründe warum du Ordnung halten solltest«

  • Du sparst Zeit, weil du Dinge schneller wiederfindest.
  • Über das Wichtige behältst den Überblick, und kannst dadurch auf Unvorhergesehenes schnell und flexibel reagieren.
  • Du hast weniger Stress, weil Unerledigtes nicht dein Unterbewusstsein beschäftigt.

Wie die Ordnung zu den Deutschen kam

Spätestens als die Germanen merkten, dass ihre allzu oft angewandten, schlampigen Schlachtformationen – sofern man davon überhaupt reden kann, den akkurat geordneten römischen Aufmärschen, wie zum Beispiel der Schildkröte, hoffnungslos unterlegen war, machten sie sich Gedanken über Ordnung. Das war sicherlich nicht die schlechteste Idee.

Ein besonderes Maß an Ordnung taucht in der Historie immer wieder nur punktuell auf. Sie zieht sich nicht wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte, sondern entwickelt sich erst allmählich, bis in unsere heutige Zeit, in der wir mittlerweile aufpassen müssen, dass wir es nicht zu gut meinen mit der Ordentlichkeit.
Am Ende verlieren wir womöglich das Menschsein, mit all seinen Widersprüchen und Unschärfen.

Ganz offensichtlich wahrzunehmen ist Ordentlichkeit bei den großen Bauwerken, wie den Pyramiden, mit ihren schwindelerregend präzisen Flächen und Kanten oder den mittelalterlichen Kathedralen, die mit ihren schnurgeraden, in den Himmel aufragenden Türmen ein so großes Maß an Ordnung ausstrahlen, dass man staunend und taumelig davor steht und sich fragt, wie die Menschen das früher bloß geschafft haben.

Es dauerte eine ganze Weile bis sich Ordnung in die Breite der Gesellschaft einschlich. In kulturellen Teilbereichen war sie zunächst hauptsächlich bei den großen Deutschen Komponisten auszumachen. Johann Sebastians Bachs (1685-1750) Kompositionen beispielsweise, folgen einer strengen Ordnung, gekennzeichnet von kosmischer Weite und Präzision im Detail.

Es ist die Zeit der Aufklärung, um ca. 1700-1800, in der sich auch die Tugend der Höflichkeit auf den Weg in die Gesellschaft macht und den „ordentlichen“ Umgang mit den Mitmenschen postuliert. Mit Erfolg: Das Buch Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knigge (1752-1796) gilt bis heute als zur Schrift gewordener Meilenstein des guten Benehmens.


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Lasset herrschen Zucht und Ordnung!

Erneut verhilft das legendenumwobene Preußen bis zu seiner Auflösung 1947 mit seinem tiefgreifenden Ordnungssinn Deutschland zu weltweiter Anerkennung. Insbesondere die preußische Armee nimmt sich einer alten, christlichen Haltung an: „Zucht und Ordnung“ wird zum bestimmenden Teil dieser schlagkräftigsten Armeen innerhalb Europas und zur erstrebenswerten soldatischen Tugend.

Im Laufe der Zeit wird sie sich immer mehr auch auf andere, zivile, Lebensbereiche auswirken und Deutschland den verdienten Ruf einbringen ein Hort verlässlicher Gründlichkeit und an Perfektion grenzender Ordentlichkeit zu sein.

Paulus (ca. 10-60 n. Chr.), Missionar des Urchristentums, wird für die Verwendung der Redewendung „Zucht und Ordnung“ verantwortlich gemacht. Er verwendete sie angeblich in einem Brief an die korinther Bürger, Einwohner einer einst reichen Hafenstadt in Griechenland.

Zucht und Ordnung – das klingt nicht schön, das klingt nach Drill und nach unnachgiebiger Autorität, aber: Ging Herrschaft jemals anders?

Herrschaft liebt Ordnung

Machst du dir bewusst, dass die heutigen Spielregeln keineswegs andere sind, bestätigt sich die Behauptung, dass Herrschaft Ordnung liebt.

Auch heute wird bestraft wer den moralisch Kompass und damit die Ordnung verlässt. Erzogen wirst du mit Appellen, die sich geschickt an deine Gefühle richten. Solltest du die vorgegebene Ordnung verlassen (wollen), finden sich zahlreiche verhaltensökonomische Maßnahmen, die dich unbewusst in deinem Verhalten beeinflussen. Sie nennen sich beispielsweise Nudging und Framing und sind subtile Methoden der Wirtschaft, der Medien, NGOs, Verwaltung und Regierungen in je unterschiedlichen Konstellationen.

Nur vordergründig ist die heutige Maßregelung nicht als solche zu erkennen. Mit ihren wohlfeilen Worten, dem harmonisierenden Gestus und umsorgenden Attitüden, erzeugt sie ein rundum wohliges Gefühl und doch ist sie nur verschleiert.

Einen besseren Beweis, dass die altehrwürdige Deutsche Tugend „Ordentlichkeit“ noch genauso aktuell ist wie zu Zeiten Friedrich Wilhelm I. (1713–1740), gibt es gar nicht.

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