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Melf Jacobs Grönlandfahrt

Als Melf Jacobs beim Einschäkeln des Bulin – dem Haltetau für das (Rah-)Segel – ein weiteres Mal über die Schulter blickte, war von dem hellen Schein des Feuers, dass ihm und seiner Mannschaft zum Abschied entzündet wurde, nur noch ein schwaches Glimmen aus der Ferne zu erkennen. Der dreimastige Segler, eine solide Fleute, gefertigt von geschickten deutschen Schiffshandwerkern, in einer der zahlreichen Reedereien, in der Nähe von Bremen, machte ordentlich Fahrt.

Der Ostwind füllte die Segel prall, der Bug pflügte schnittig durch die See. Ungewöhnlich ruhig war sie an diesem Morgen, nur manchmal stieß die “Dútske Löv” in ein tieferes Wellental, was das gutmütige Schiff mit einem sanften Rollen quittierte.

Die „Fleute“ war ein Schiffstyp, der vom 16.-18. Jahrhundert gebaut wurde. Ihre herausragende Ladekapazität machte sie zum beliebten Walfänger, obwohl sie eigentlich als Küstenschiff konzipiert war. Fleuten kamen vielfach aus den Niederlanden, aber ihre Bauform wurde im Laufe der Zeit von vielen Werften kopiert.

Die 57 Männer an Board waren frohen Mutes. Verpflegung für 3 Wochen, die Ausrüstung gestapelt bis hoch zum Deck, nicht viel Platz für jeden Einzelnen, aber wenn alles gut ging, würden sie im Herbst als wohlhabende Männer wieder an ihren Heimatküsten anlanden.

Und dann den Winter, gesund und munter, mit der Familie zu verbringen – da kann man die Zeit der Entbehrung und die Enge auf dem Schiff schon auf sich nehmen.

Im Eismeer wurden aus Kindern Männer

Walfangzeit in Deutschland, 1733. Melf befindet sich auf „Grönlandfahrt“ – mal wieder. Als junger Mann, mit gerade mal 17 Jahren, fuhr er das erste Mal ins Eismeer. Über die Jahre hinweg ist er zum routinierten Matrosen geworden, in der Blütezeit des Walfangs fand er hier, zwischen Achterdeck und Hornpipe, seinen auskömmlichen Broterwerb.

Es kam häufig vor, dass an den friesischen Küsten aus zarten Jünglingen echte Kerle wurden. Manche wurden reich, manche wurden zu Steuerleuten und manche gar zu Kommandeuren.

Das Abschiedsfeuer hat die Männer noch einige Zeit begleitet. Wie sie da ihrer Arbeit an Deck nachgingen, war das ein letzter melancholischer Gruß am frühen Morgen. Von Amrum, Föhr, Sylt schienen die Feuer hinüber – die Deutschen Perlen der Nordsee waren damals, als sie noch zu Dänemark und zum Herzogtum Schleswig gehörten, vielfach Heimatinseln der Walfangmatrosen. Rund 2000 von ihnen lebten auf den Inseln.

Melf Jacobs war gebürtiger Föhrer. Noch bis zum letzten Tag ihrer Abreise wurde das Holz für die Feuer entlang der Strände aufgeschichtet.

„Biikefeuer“ wird der norddeutsche Brauch genannt, und der ist ganz typisch dafür, wie sich Traditionen und Rituale überschneiden können: Am Ende weiß keiner mehr genau wofür was steht, was zuerst da war und wie genau das eigentlich gemeint war.


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Biike & Du – Der Mensch im Zyklus der Jahreszeiten

Ja, es liegt auf der Hand: Wenn Menschen zwischen Februar und Mai große Feuer anzünden, lässt das meist auf einen alten Frühlingsritus schließen. Um die 2000 Jahre, so meint man, aber wahrscheinlich dürfte das nicht ausreichen. Die Verabschiedung des Winters und das Vertreiben böser Geister zu Beginn der „Hellen Jahreszeit”, ist schon lange fester Bestandteil keltisch-germanischen Glaubens, ebenso wie die Opferfeste für den obersten germanischen Göttervater Odin.

Drei heidnische Feste, Imbolc, Ostara und Beltane stehen in Verbindung mit der reinigenden Kraft des Feuers. Das Alte geht, das Neue kommt. Biike & Du – Der Mensch im Zyklus der Jahreszeiten – und der Walfang und das Biikefeuer obendrauf.

Was würde dir helfen dich auf See zu orientieren? Richtig: Sterne und Leuchtfeuer. Jetzt kommt es zur Vermischung von altem Ritus und neuerem Brauchtum: Brachen die furchtlosen norddeutschen Walfänger zufällig am 22. Februar Richtung Grönland auf, weil z.B. der Wind günstig stand, schlich sich der Gedanke ein, dass Biikefeuer, das ursprünglich ein Schifffahrtszeichen war, wäre ihnen zum Abschied entzündet worden.

Von da an war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dieser Glaube verfestigte.

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekam das Biikebrennen ein festes Datum. Im Jahr 2014 wurde es dann auch noch in das „Verzeichnis des immateriellen Kulturerbe Deutschlandsaufgenommen.

Biikebrennen macht hungrig

Wie dem auch sei, ob Walfängerabschied oder Odin zum Gruß: An Board eines Walfängers war die Verpflegung damals dermaßen miserabel, dass Skorbut und andere Mangelerscheinungen die Mannschaft oft dahinraffte.

Zu „Biike“ ist das alles ganz anders: Die norddeutsche Luft und die Kühle des vergehenden Winters machen hungrig und so begehen echte Friesen und die die es sein wollen, nach dem Feuer, das original norddeutsche Grünkohlessen.

Klassisch serviert wird’s mit Kassler und Kochwurst, Bratkartoffeln und Senf.

Melf am Wal – Nordischer Mut und friesischer Verstand

Melfs feuergeschmiedete Harpune verfehlte den massigen Leib des Grönlandwals nicht. Aufrecht und breitbeinig, ja fast schon hitzig, stand er auf dem Bug des schwankenden Fangboots. Der Ruck, den die sich plötzlich straffende Leine auslöste, holte die sechs Männer an den Rudern noch einmal aus ihrer Erschöpfung.

Zwei Stunden dauerte die Jagd nun schon und dieser Wal wirkte nicht, als ob er kurz davor stand aufzugeben. Eines der Boote hatte er bereits zertrümmert, ein Weiteres zog er, leckgeschlagen und mannschaftslos, hinter sich her. „ûnders iis!“ („Unters Eis!“) rief Melf den Männern zu, die mit kurzen, kräftigen Ruderzügen versuchten das Boot unter Kontrolle zu bringen.

Ein am Fangseil hängender Wal, der unter das Eis taucht, ist für kleine Boote äußerst bedrohlich. Zu groß die Gefahr, dass sie mit in die Tiefe gerissen werden. Melf durchhieb das Seil mit einem schwungvollen Schlag. Warum jetzt noch das Risiko eingehen? Sieben Wale hatten sie schon erlegt, genug für alle um über den Winter zu kommen – und nächstes Jahr sehen sie sich wieder zum Walfang.

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Eine kluge Entscheidung. Ausdruck nordischen Muts und friesischem Verstands – Eine großartige Eigenschaften verantwortungsvoller deutscher Charaktere. Das lautstarke Maulen seiner Rudermannschaft, ob des finanziellen Verlustes, überhört er selbstbewusst.

Beim Biikebrennen trifft Tradition auf Ritus

Melf Jacobs fuhr noch oft hinaus in die fernen Jagdgebiete Grönlands, zumeist mit dem Schein des Biikefeuers im Rücken. Ein feines Omen, da waren sich die Männer alle einig. Auch die gutmütige Dútske Löv schien davon zu profitieren, sie verlor nur ein einziges Mal einen Matrosen. Der blieb in den kalten Fluten, auf dem tiefen Grund bei Spitzbergen, namenlos, aber unvergessen.

Biikebrennen – Tradition trifft auf Ritus – solltest du beim nächsten Mal mit dabei sein, dann schau aufs Meer hinaus, dort siehst vielleicht am Horizont den schemenhaften Umriss eines dreimastigen Schiffes, und wenn es mit prallen Segeln sanft Kurs nimmt Richtung Grönland, dann kannst du sicher sein, dass es die Dútske Löv ist.

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