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Lechfeld 955 – Die Festigung des Deutschen Reichs

Dunkel und bedrohlich hängen die Sturmwolken über der sonst so malerischen bayrischen Hochebene. Schon seit Wochen herrscht eine sommerliche Hitze, die Mensch und Tier lähmt. Sie ist von jener schwülen, gesättigten Wärme, die zwar immer wieder durch heftige Niederschläge unterbrochen wird, aber nie eine echte Abkühlung erfährt.

Diese Wetterlage ist Vorbote und dramatische Kulisse zugleich – und Mancher meint sogar: entscheidend.

Entscheidend für einen Waffengang, der in wenigen Tagen seinen Höhepunkt erreichen wird. Ihm gehen Jahrzehnte des Schreckens voraus, und an seinem Ende wird aus den verwegenen Taktieren und wagemutigen Gefechten das Deutsches Reich gestärkt hervor gehen.

Diese Schlacht, die sich an diesem 10. August 955 ereignete, ist ein Meilenstein der Deutschen Geschichte.

Das 70 jährige Vorgeplänkel der ungarischen Magyaren

Immer wieder waren die aggressiven ungarischen Reiternomaden, die „Magyaren“, plündernd und brandschatzend in das ostfränkische Reich, eingefallen. 70 Jahre lang, von 862 bis 933 n. Chr. unternahmen sie blutige Beutezüge bis nach Frankreich, Nordspanien und Oberitalien.

Das „Ostfränkische Reich“ wird alsbald zum „Heiligen römischen Reich“. Aber bereits die Krönung Heinrichs I. (919 n. Chr.) gilt als Begründung des „Deutschen Reiches“.

Otto I., der damaligen König der Ostfranken, war es bisher nicht gelungen den Magyaren etwas entgegenzusetzen. Zwar hatte sein Vater Heinrich I. in der heroischen Schlacht bei Riade (933) den Ungarn eine schwere Niederlage zugefügt, entscheidend und endgültig war aber die kommende Schlacht – seine Schlacht – auf dem Lechfeld.

Die Schlacht beginnt

Der wilde Galopp den die magyarischen Spähtruppen an diesem Nachmittag ihren Pferden zumuten ist auf Dauer nicht durchzuhalten. Eine kurze Rast, ein kurzes Luftholen – so viel muss reichen.

Ihr Ziel ist das hastig errichtete Sammellager der ungarischen Truppenverbände in der Nähe von Augsburg. Ihre Nachricht, an Herzog „Toxis“, den Befehlshaber der Ungarn: Nichts Geringeres als die ziemlich genaue Truppenstärke des ottonischen Heeres.

Das besteht aus Bayern, Sachsen, Franken, Schwaben und Böhmen. Ein ziemlich zusammengewürfelter Verband also, der aber durch den ehrenvollen Treueschwur einer Heerfriedenszeremonie fest zusammengehalten wird. Seit’ an Seit’ – so zahlt es sich aus.


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Am Morgen des 10. Augusts treffen die böhmischen und schwäbischen Truppen, unter Herzog Burchard III. von Schwaben, bereits auf dem Weg zum eigentlichen Schlachtfeld, auf Reiter der Ungarn.

Sogleich werden sie von Pfeilhageln eingedeckt. Die Luft ist voll von ihren langen surrenden Pfeilen, die von Hornbögen in Massen abgeschossen werden.

Couragiert stellen sich die Böhmen und Schwaben dem lauernden Angreifer entgegen und bereiten den Ungarn ungeahnte Schwierigkeiten. Und doch: Mit zunehmender Dauer der Auseinandersetzung löst sich die Schlachtordnung der Deutschen auf und Flucht tritt an die Stelle an der vormals offensives Handeln herrschte.

Der ungarische Angriff auf den rückwärtigen Teil des Heerhaufens, den Tross, dürfte der Grund für diese verständliche aber ärgerliche Auflösungserscheinung sein.

Im Angesicht des Sieges gehen die Magyaren sogleich zur Plünderung des Trosses über – ein grober Fehler, wie sich noch herausstellen wird.

Konrad der Rote stellt die Schlachtordnung wieder her

Kopflos über das freie Feld stolpernd halten die Böhme und Schwaben kurz inne, denn: „Konrad der Rote“, Herzog von Lothringen, erreicht mit seinem Trupp Franken die Hügelkuppe. Der vierte Heerhaufen, der überwiegend aus jungen Kriegern besteht, ist eingetroffen.

Konrad verschafft sich einen Überblick und greift sofort in das Geschehen ein. Zur Ordnung ruft er die sich absetzenden Truppenteile und befiehlt den Gegenangriff.

Die Ungarn, ganz trunken im vermeintlichen Siegestaumel, sind überrascht von der Offensive und lassen zwangsläufig von ihrer Beute ab.

Schlachtentscheidend: Der fünfte Heerhaufen König Ottos

König Otto betritt mit seinem Heerhaufen das Schlachtfeld. Das hat sich mittlerweile in die Kies- und Schotterebene des Lechfelds verlagert. Er, mit der Heiligen Lanze ausgerüstet – dem „Speer des Schicksals“, wird versuchen seine Panzerreiter in die Reichweite der Ungarn zu bringen. Diese kühne Taktik hatte sich schon einmal bewährt: Sein Vater Heinrich I. wendetet sie 933 bei der Schlacht von Riade an und schlug erfolgreich die Ungarn.

Mit Hiebschwert und Lanzen bewaffnet und bewehrt mit eisernen Kettenhemden stehen die Reihen fest und schlagen gnadenlos gegen die Ungarn.

Ein Autor beschreibt das Kampfgeschehen wie folgt:

“Jetzt ergriff König Otto seinen Schild und rückte mit dem Hauptteil seines Heeres zum Entscheidungskampf vor. Mit vorgehaltenen Schildern, dicht geschart, von Mut und Glauben beseelt, brachen die deutschen Kämpfer in die Reihen der Feinde.

Mit ungeheuerer Wucht durchbrachen sie damit die Wand des Schreckens, die der Mongolenflut stets voranstand; mit geradezu fanatischem Kampfeswillen schäumte im schnellen Kampfverlauf der unerschrockene Heerbann gegen die Brandung der struppigen Ungarnpferde und ihrer schlitzäugigen Reiter.”

Eine fabelhafte Ausführung! Könnte ich den deutschen Heldenmut und das unglaubliche Draufgängertum emotionaler, präziser und plastischer beschreiben?


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Die Folgen des Sieges für das Deutsche Reich

Die Magyaren wurden vernichtend geschlagen. Nach Jahrzehnten der Unruhe und Unsicherheit die im Volk herrschte, brach nun eine friedvollere Zeit an. Eine positive Zukunftserwartung breitete sich langsam in der Gesellschaft aus.

Und mehr noch: Das Gemeinschaftsgefühl, dass dieser heroische Sieg schuf, führte zu einer neuen Identität der Menschen des Ostfrankenreichs, was den Weg zum Deutschen Reich noch weiter ebnete – und festigte.

Zur Schlacht bei Riade, hier entlang



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