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Der Mohr ist ein „Choko Crossie“

Mitunter sorgt die Benennung von Menschen deren Hautfarbe so dunkel schimmert wie Schokolade für Verwirrungen: Ist es jenes Braun, das so dunkel glänzt wie Zartbitter, oder ist es eher Milchschokolade – gar nur Weiße Schokolade?

Für uns Jugendliche – fast noch Kinder die wir waren – groß geworden in den 1980er Jahren, war es einfach, denn für uns stand fest:

Ein Mensch mit dunkler Hautfarbe – auf einem BMX-Rad, ist immer ein „Choko Crossie“.

so wie die leckere Nascherei aus der Werbung. Damals – ja, darüber haben wir gelacht, das ist schon einige Zeit her – und gänzlich ohne schlechtes Gewissen taten wir das.

Früher war mehr Humor in Deutschland, könnte man meinen, heute haben wir dafür Irgendwas mit „Toleranz“ – und weniger Humor (dafür läuft viel unter „Satire“). Eigentlich komisch, denn das Eine bedingt doch das andere, sollte es dann nicht mehr von Beidem geben!?

Egal, die Assoziation von Schwarzen mit Schokolade ist so naheliegend, dass, wer etwas anderes behauptet – da weiß ich dann immer nicht so recht wer eigentlich das größere Problem hat: Der Fantast, der seine ganz speziellen Bilder im Kopf hat, oder der, der das angebliche Opfer in den Bildern des Kopfes des Fantasten ist.

Immerhin rund 70 Prozent der globalen Kakaoproduktion kommt aus Westafrika. Die dunklen Schokobohnen als eine Markenbotschaft der Colored People. Gibt’s was Schöneres als das Konterfei eines Einzelnen auf einem solch beliebten und überaus appetitlichen Produkt, stellvertretend für eine ganze Ethnie?

So wie einst der prächtige Sarotti-Mohr, der strammen Schrittes, mit Turban behauptet und in edlem Gewand gehüllt, einem jeden die süße Leckerei auf dem güldnen Tablett darreichte.

Vielleicht ist es aber genau diese dienende Geste über die sich so manche aufregen. Wenn Dienen aber solch üble Assoziationen weckt, was ist dann mit dem ganzen riesigen Dienstleistungssektor?

Der Sarotti-Mohr – für die Meisten ist der kleine schwarze Kerl mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett eine herzige Kindheitserinnerung. In Anlehnung des früheren Firmensitzes in der Berliner Mohrenstraße servierte er ab 1918 in orientalischer Bekleidung die süße Leckerei.

Freundliches Schwarz? Nee, das geht ja gar nicht!

Wer die vielen sympathischen, dunkelhäutigen Markenbotschafter, die eine Vielzahl Produkte repräsentieren, versteckt, lässt gleich den gesamten Markenkern einer Rasse verschwinden. Steht er nicht für den sonnig-warmen Kontinent mit seiner exotischen Flora und Fauna, für Gastfreundschaft, für Gaumenschmaus und Herzlichkeit? Und dazu gehören einprägsame Logos, vieldeutige Slogans, interessante Namen, Geschichte und Geschichten rund um ein fernes Land und fremde außergewöhnliche Kulturen.

So geschah es mit der Afrika-Schokolade, dieser beliebten Sorte Schokokeks der Firma Bahlsen. Die hat ihren Namen, eben Afrika, nach Jahrzehnten im Gebrauch, an einen hysterischen, politisch korrekten Zeitgeist verloren. Anfang des Jahres 2020 war das.

Zahlreiche weitere folgten oder waren bereits schon Opfer umfangreicher Säuberungsaktionen.

Uncle Ben’s, der fröhliche Bauer aus Texas, dessen Konterfei auf dem Logo der Reisprodukte vom gleichnamigen Hersteller prangte, Aunt Jemima die Afroamerikanerin, die einem freundlich von der Pfannkuchen-Verpackungen anstrahlte oder die Mohrenbrauerei mit Sitz in Deutschland, dessen Emblem ein fröhlicher Krauskopf zierte. Von den vielen Mohrenstraßen, Mohrenapotheken und weiteren Plätzen und Lokalitäten ganz zu schweigen.


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Schaust du dir die Geschichte der Menschheit näher an, wirst du feststellen, dass Ethnien mit dunkler Hautfarbe schon sehr früh die Aufmerksamkeit der hellhäutigen Menschen auf sich zog. So ist die Bezeichnung „mör“ bereits seit dem 8. Jahrhundert nachweisbar.

Im Althochdeutschen bedeutet das Wort so viel wie „Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens“.

Ey, reich mir mal ‘nen Mohrenkopf!

Wenig rassistisch, dafür aber, für die damalige Zeit, eine durchaus sachliche, weil faktische Bezeichnung. Die beruht auf, zugegebenermaßen, stark vereinfachten Kenntnissen der Abstammung und Verteilung von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Aber du musst dir klar machen: Das geographische Wissen der Menschen des Altertums waren wirklich rudimentär – absolut kein Vergleich zum heutigen Wissenstand der Informationsgesellschaft.

Ähnlich klingende, historische Bezeichnungen findest du übrigens in vielen Ländern dieser Welt: Im Italienischen heißt „il moro“ soviel wie „der Dunkle“, im Spanischen beschreibt „el moro“ die arabisch-muslimischen Mauren und in dem Dänischen und Schwedischen „morian“ ist der Mohr schon sehr lange im umgänglichen Sprachgebrauch zu finden.

Auch in der Heraldik, dem spannendem Thema der Wappenkunde, ist der Mohr, bzw. die Mohrin, seit mindestens dem 14. Jahrhundert zentraler Bestandteil von Wappenschildern.

Sei es die schwäbische Linie der Grafen von Kirchberg, deren Wappen ab 1355 eine farbige Mohrin darstellt oder die bürgerliche Kaufmannsfamilie der Fugger, deren Hoheitszeichen sich ebenfalls dem dunkelhäutigen Personenkreis bediente. Und die Liste ist lang und länger …


»4 uralte Wappen und Siegel in denen du schon lange Mohren und Mohrinnen finden kannst«

  • Im Stadtarchiv von Lauingen befindet sich der „Lauinger Mohr“, ein uraltes Siegel von 1270
  • Die „Weingartner Liederhandschrift“ aus dem 14. Jahrhundert zeigt das Mohrenwappen
  • Das „Stadtwappen von Pappenheim“ aus dem Jahr 1335 ziert ein Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar
  • Die Mohrin derer von Loeben“ – laut Wappensage soll das Adelgeschlecht ihr Wappen von der Mohrenkönigin Pelusa von Meroe im Jahr 733 erhalten haben!

Eriks weiterführende Gedankensplitter

Ob Choko Crossie, Mohrenkopf oder Negerschweiss, jenseits der Hysterie finden sich Ethnophaulismen, so man sie denn sehen möchte, für jede Bevölkerungsgruppe. Und wenn die es nicht mehr gibt, weil alle Ethnien in einer multiethnischen Gesellschaft aufgegangen sind, wird es weiterhin genug Bevölkerungsteile geben, die Abwertung erfahren werden.

Ganz einfach deswegen, weil die Eingliederung von Abweichlern und Andersartigen in den Mainstream am Besten durch Ausgrenzung gelingt. So wurden zunächst Völker und Ethnien ihrer Kultur beraubt und nun dem Individuum die eigene Meinung.

Aber das sind alles nur Bestrebungen, letztendlich hast du es in der Hand wie weit du dich eingliederst und ob du nur „Einer von Vielen“ bist, oder „Der Eine unter Millionen“.

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